1. Welche Ziele hat das Kunsthandwerkerinstitut "Die
Brücke" ?
Das
Europäische Institut "Die Brücke" soll eine Begegnungs-
und Ausbildungsstätte für Künstler und Kunsthandwerker aus
Ost und West sein. Die architektonische Gestaltung und das
Betriebskonzept werden sich grundlegend von allen bekannten
Einrichtungen solcher Art unterscheiden.
Das Institut soll entsprechend seinem Namen eine Brücke
schlagen zwischen den etablierten Kunsthandwerks-Manufakturen
des Westens und den zahlreichen talentierten Künstlern und
Kunsthandwerkern in Osteuropa.
Das Institut wendet sich vor allem an jene Künstler und
Kunsthandwerker, die bereit und in der Lage sind, einen
wesentlichen Beitrag zum Wiederaufbau der Kirchen und Kultureinrichtungen
ihres Landes zu leisten, die in Jahrzehnten kommunistischer
Herrschaft in zahlreichen Ländern Osteuropas gelitten haben.
Die Absolventen des Institutes sollen ermutigt und befähigt
werden, eigene kleine Betriebe zu gründen. Nach ihrer Rückkehr
in die Heimat halten sie Kontakt zu den Handwerksbetrieben,
die sie kennen lernten.
Die gemeinsame Arbeit im Kunsthandwerkerinstitut in Gifhorn
soll einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt und nahe gebracht
werden. Verkaufsausstellungen der hier hergestellten Kunstwerke
werden so gestaltet, dass die Besucher nicht nur Hochachtung
vor der fremdartigen künstlerischen und handwerklichen Leistung
empfinden können, sondern daß sie auch möglichst viele Informationen
über die andere Kultur, die andere Religion und die Herkunftsländer
der Künstler bekommen. Durch Dokumentationen und Ausstellungen
soll das Verständnis der Menschen für die Notwendigkeit
des Wiederaufbaus der Kirchen im Osten geweckt werden. So
wird es eine hervorragende Einrichtung zur Völkerverständigung,
zur Überwindung der Mauern in den Köpfen der Menschen
diesseits und jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs.
2. Was ist das für ein Institut und wie soll es funktionieren ?
Das
Institut "Die Brücke" ist ein Gebäudekomplex, in dem sich
unter einem Dach Ateliers und Werkstätten für bis zu 40
Künstler und Kunsthandwerker befinden. Gleichzeitig gibt
es Ausstellungsräume, Vortragssäle und gastronomische Einrichtungen
für eine große Zahl von Besuchern.
Der quadratisch angeordnete dreistöckige Gebäudekomplex
mit einem großen Innenhof ist in seiner architektonischen
Gestaltung einmalig. Mit seinen Türmen, Kuppeln, mit der
umlaufenden Galerie und den reichen Schnitzereien und Verzierungen
ist das Bauwerk den besten Traditionen der russischen Holzbaukunst
nachempfunden.
Die Räume sind in ihrer Größe und Anordnung speziell auf
die Nutzung für das "Europäische Institut zur Förderung
des russischen sowie internationalen Kunsthandwerks" zugeschnitten.
Das Grundstück und das Gebäude gehören zur Zeit dem Internationalen
Wind- und Wassermühlenmuseum Gifhorn, das sich in unmittelbarer
Nähe befindet und einen starken Bezug zum Anliegen des Instituts
hat.
Das Museum verpachtet die Anlage an einen Träger und Betreiber,
der die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt. Der Betreiber
kümmert sich um die Ausrüstung des Institutes mit Maschinen,
Geräten und Mobiliar. Er beschäftigt für die umfangreichen
Aufgaben des Institutes das erforderliche Personal.
Das Ziel dieser Planungen ist einerseits die erfolgreiche
Weiterbildung der Praktikanten und andererseits das kostenneutrale
Betreiben des Institutes. Die Aufenthaltsdauer der Praktikanten
sollte mindestens drei Monate, aber auch nicht länger als
ein Jahr betragen.
Wenngleich sich die Künstler und Kunsthandwerker weder hier
noch in ihrer Heimat ausschließlich sakralen Themen zuwenden
sollen, so steht doch die Arbeit für die Kirche und das
Christentum im Vordergrund. Das findet allein schon darin
seinen Niederschlag, dass die Erzbischöfe und Bischöfe der
Kirchen Osteuropas ein besonderes Vorschlagsrecht für das
Praktikum in Gifhorn haben sollen.
Bei der Auswahl der Praktikanten, aber auch bei allen anderen
Fragen wäre es wünschenswert, wenn das Institut eng mit
dem Künstlerischen Produktionsbetrieb des Moskauer Patriarchats
in Sofrino zusammenarbeitet, um von dem Schatz seiner Erfahrungen
zu profitieren.
Die Praktikanten leben und arbeiten im Laufe ihres Aufenthaltes
zum größten Teil im Institut, aber auch bei Praktikumsfirmen.
Sie werden vom Institut versichert, ausgebildet, verpflegt
und betreut. Die Finanzierung des Aufenthaltes wird in jedem
einzelnen Fall separat festgelegt. Es wäre vorstellbar,
dass Sponsoren für einzelne Praktikanten gefunden werden.
Es muss ein so hohes Niveau erreicht werden, dass dem Institut
in der Welt ein Ruf vorauseilt, der das Praktikum in der
Gifhorner "Brücke" für jeden talentierten Kunsthandwerker
zu einem hohen Ziel werden lässt. Die Bescheinigung über
ein Praktikum am Gifhorner Institut "Die Brücke" muss etwas
gelten in der entstehenden Welt des osteuropäischen Kunsthandwerks.
Vorbild für das Institut sind die Manufakturen an den Höfen
des Mittelalters. Kunstinteressierte Fürsten holten die
begabtesten jungen Leute zu sich und schufen ihnen gute
bis optimale Bedingungen, um ihre Begabung zu entwickeln.
Dieser Erfahrung folgend werden die besten Ergebnisse dann
entstehen, wenn man den jungen Leute künstlerische Freiräume
gibt und den Anteil der organisierten Fortbildung nicht
höher als ein Viertel der gesamten Zeit ansetzt.
Zu Beginn eines Durchgangs wird gemeinsam ein Arbeits- und
Ausbildungsplan für die Dauer des Aufenthaltes festgelegt.
Während eines jeden Durchgangs lernen die Praktikanten entsprechend
ihrer Fachrichtung Betriebe und Firmen in Europa kennen.
Diese Betriebe sollten die Patenschaft über einen oder mehrere
Praktikanten übernehmen, und zwar auch für die Zeit nach
dem Aufenthalt in Deutschland.
Alle Praktikanten absolvieren gemeinsam einen Lehrgang zu
Grundlagen der Betriebswirtschaft von Kleinstbetrieben,
der hier in Gifhorn von kompetenten Lehrkräften gestaltet
wird. Täglich in der Zeit von 10.00 bis 18.00 Uhr ist das
Institut für Besucher geöffnet. Sie können den Praktikanten
bei ihrer Arbeit zusehen. Die Arbeit ist auch darauf gerichtet,
solche künstlerischen und kunsthandwerklichen Dinge herzustellen,
die an die Besucher verkauft werden. Besucher können sich
gern als Mäzene betätigen, indem sie hier Dinge für bestimmte
Kirchen und Klöster in Osteuropa anfertigen lassen.
Das Institut wird ca. 3000m2 Nutzfläche haben. Im Zentrum
der Anlage wird sich eine Glockengießerei mit einem Glockenmuseum
befinden. Es gibt darüber hinaus Metall- und Holzwerkstätten
und einige kleinere, variabel nutzbare Ateliers und Werkstätten,
die den Besuchern zugänglich oder für sie einsehbar sind.
Es können u.a. folgende Arbeiten verrichtet werden: alle
Holzarbeiten, Schnitzerei, Schlosserei, Kunstschmiede, Formenbau,
Restaurierung und Holzschutz, Herstellung von Blattgold,
künstlerische Vergoldungen, Ikonenmalerei, Mosaikherstellung,
Altarbau, Handarbeiten, Kerzenherstellung, um nur einige zu nennen.
Mehrere Ausstellungen verschiedener Art können die Besucher
besichtigen.
Es wird ein Lager geben, in dem Werkzeuge und Maschinen
von Firmen aus ganz Europa gesammelt werden. Diese sollen
den Absolventen mit nach Hause für ihre weitere Arbeit gegeben
werden.
Die Betreuung der Besucher ist eine besondere Aufgabe. Neben
der unmittelbaren Begegnung mit den Künstlern und Kunsthandwerkern,
neben den Ausstellungen mit den schönsten Ergebnissen ihrer
Arbeit, neben Informationen über die Situation der Kirchen
in den Herkunftsländern der Praktikanten muss für das leibliche
Wohl der Besucher gesorgt werden, um den Aufenthalt im Institut
abzurunden. In einer Art Klosterkantine mit gemütlicher
Atmosphäre, im Sommer auch im Innenhof, muss ein gutes Angebot
von typischen Speisen und Getränken aus den Herkunftsländern
der Praktikanten angeboten werden. Im Innenhof können auch
kulturelle Veranstaltungen stattfinden.
Es wird angestrebt, dass sich das Institut selbst trägt.
Das kann dadurch erreicht werden, dass ein Eintritt erhoben
wird und dass Erzeugnisse aus der Produktion des Institutes
verkauft werden. Auch die Gastronomie ist eine Einnahmequelle.
Eine Parallele dazu bietet das bewährte Konzept des Mühlenmuseums.
Es muss eine besondere, sich vom üblichen Angebot abhebende,
interessante Speisen- und Getränkekarte geben. Das gastronomische
Angebot muss dem internationalen Charakter des Institutes
angemessen sein. Die Attraktivität der Gastronomie wird
dadurch weiter erhöht, dass das Angebot im Turnus durch verschiedene
osteuropäische Länder gestaltet wird.
Damit das Ziel möglichst schnell erreicht wird, dass sich
das Institut selbst tragen kann, ist es sehr wichtig, dass
die Baukosten so gering wie möglich gehalten werden. Nur
so wird die Belastung für die Betreiber nicht zu hoch werden.
Die Baukosten werden mit ca. 5-6 Millionen DM veranschlagt.
Sie sollen zu einem möglichst großen Teil von Sponsoren
aufgebracht werden.
3. Schlussbemerkungen vom 06.01. 2001
Die
Idee für das Projekt ist durch zahlreiche Kontakte in die
Ukraine und nach Russland in Verbindung mit der Begründung
der Städtepartnerschaft zwischen dem ukrainischen Korssun-Schewtschenkiwski
und der deutschen Stadt Gifhorn entstanden. Es war ursprünglich
geplant, das Institut in der ukrainischen Stadt Korssun
zu bauen. In den Jahren der Planung (erste Hälfte der 90-er
Jahre) war das dort leider prinzipiell nicht möglich.
Im Laufe des Jahres 1992 wurde diese Konzeption entwickelt.
Sie wurde im Rahmen der IPI-Konferenz dem jetzigen Präsidenten
der Russischen Föderation Wladimir Putin vorgestellt.
Er kam ins Mühlenmuseum
Gifhorn als Mitglied einer GUS Regierungsdelegation. Dieser
Delegation ist eine Glocke als Geschenk des Volkswagen-Konzerns
und des Internationalen Mühlenmuseums übergeben worden,
die hier ein Jahr zuvor gegossen worden war. Sie hängt heute
in einer Kirche in St. Petersburg.
Um zu klären, ob dieses auf östliche Kirchen ausgerichtete
Projekt das Interesse der Orthodoxen Kirche findet, wurde
eine Konferenz in Gifhorn einberufen, zu der mehrere Erzbischöfe
und Bischöfe aus verschiedenen osteuropäischen Ländern eingeladen
waren. Diese Konferenz fand am 01. Dezember 1992 statt.
Die Resonanz seitens der Kirche war überwältigend positiv.
Daraufhin wurde mit den konkreten Planungen begonnen.
Es ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung des Projektes
unter dem gleichen Namen „Die Brücke" ins Leben gerufen
worden. Der Verein hat es leider nicht vermocht, das für
den Baubeginn erforderliche Geld zu sammeln. 1996 entschloss
sich Horst Wrobel, auf eigene Kosten und auf eigenes Risiko
mit dem Bau zu beginnen. Er ging davon aus, dass ein sichtbarer
Anfang Zweifler und Gegner überzeugen würde. Am 19. September
desselben Jahres hat der Schirmherr, Herr Michail Gorbatschow,
den Grundstein für den Bau des Institutes gelegt.
Seit der Entstehung dieser ersten Fassung der Konzeption
hat es einige Änderungen gegeben. Es sind eine ganze Reihe
neuer Überlegungen und Vorschläge hinzugekommen. Andererseits
gab es auch zahlreiche Schwierigkeiten, mit denen nicht
gerechnet werden konnte, als die Konzeption in jenem fernen
Jahr 1993 geschrieben wurde.
|